Charlotte von Veltheim
Domina Kloster St. Marienberg in Helmstedt
geb. 1832 in Braunschweig, gest. 1911 in Helmstedt
"Deine Rechte sind mein Lied in dem Hause meiner Wallfahrt." Psalm 119/54Der frauenORT Charlotte von Veltheim in Helmstedt wurde am 13. Mai 2011 im Kloster St. Marienberg in Helmstedt in Kooperation mit der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, dem Konvent des Klosters St. Marienberg und der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Helmstedt eröffnet.
Mechthild von Veltheim, Domina des Klosters St. Marienberg, erinnert an ihre Ahnin: Im Jahr 1848 wurde Charlotte von Veltheim im Alter von 16 Jahren als Domina des Klosters St. Marienberg in Helmstedt in ihr Amt eingeführt. Da sie in ihrem jugendlichen Alter die Situation im Kloster als grauenhaft empfand zog sie erst als 30-Jährige 1862 in das Kloster nach Helmstedt. Aus evangelischem Glauben handelnd, verschrieb sie sich lebenslang der christlichen Nächstenliebe und der Förderung der Paramentik.
Mit Unternehmensgeist und schöpferischer Phantasie ging sie ans Werk und gründete zusammen mit Gräfin Anna von der Schulenburg 1862 den „Niedersächsischen Paramentenverein“. Mit der kunstvollen Handarbeit wollten die Frauen die Gotteshäuser christlich und würdevoll schmücken. Schnell entstanden im Kloster St. Marienberg jährlich stattfindende Paramententage. Sie dienten als Ort des Erfahrungsaustausches für die Mitglieder der nach und nach in ganz Deutschland gegründeten evangelischen Paramentenwerkstätten. Die steigende Nachfrage nach christlichen Textilien in der evangelischen Kirche förderte auch das Wachstum des „Niedersächsischen Paramentenvereins“. Aus ihm ging später die von Veltheim Stiftung hervor.
Die Domina setzte in gleichem Maße ihre Kraft und ihr privates Vermögen für die Wiederherstellung der 1176 als Augustiner-Chorfrauenstift gegründeten Klosteranlage ein. Durch den Bau der Eisenbahnstrecke nahe Helmstedt, ab 1868 nach Magdeburg, wurden der Domina, da es in Helmstedt noch kein Krankenhaus gab, verletzte Bauarbeiter in das Kloster gebracht. Unterstützt von Diakonissinnen aus Neuendettelsau stellte sie sich dieser Herausforderung. Die Kranken wurden zunächst in leerstehenden Räumen des Klosters untergebracht. Ab 1876 erfolgte der Ausbau des Westflügels als Krankenstation. Die Nachfrage nach Hilfe und medizinischer Betreuung war groß, so dass schon 1883 mit Hilfe öffentlicher Mittel Neubauten entstanden. Bis zu ihrem 60. Lebensjahr leitete Domina Charlotte von Veltheim das Krankenhaus persönlich.
Im Zentrum ihres Wirkens aber stand die christliche Erziehung junger Mädchen und Frauen, wie sie es schon mit ihrem Amtseid bestätigt hatte. Neben einer Sonntagsschule für Kinder aus Helmstedt und Umgebung gründete sie unter anderem im Kloster 1872 eine Internatsschule vornehmlich für höhere Beamten- und Pfarrerstöchter. Mehr als 1.600 Schülerinnen wurden allein in der Internatsschule ausgebildet.
Charlotte von Veltheims Werk prägt Helmstedt nachhaltig bis heute: die Arbeit der Paramentenwerkstatt der von Veltheim Stiftung wird weit über Niedersachsens Grenzen hinaus geschätzt. Das Krankenhaus, seit 2011 in Trägerschaft der HELIOS St. Marienberg Klinik Helmstedt, ist noch heute einer der größten Arbeitgeber für Frauen im Landkreis Helmstedt.
Fotos: Eröffnung des frauenORTES durch die Domina von Veltheim in der Klosterkirche St. Marienberg (Quelle: Fotoarchiv der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz; Fotograf: Andreas Greiner-Napp).
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