Pressemitteilung

Frauen erleben psychosozialen Stress
Ministerin Rundt zu Gast auf Tagung des Landesfrauenrates in Verden

Viele Frauen sehen sich psychischen Belastungen, Stress und Burnout ausgesetzt – oftmals durch die Doppelbelastung in Beruf und Familie. Unter dem Titel „Psychosoziale Belastungen von Frauen“ lud jetzt der Landesfrauenrat Niedersachsen (LFRN) in Kooperation mit dem Kreisfrauenrat des Landkreises Verden zu einer Fachtagung ins Verdener Kreishaus ein. LFRN-Vorsitzende Mechthild-Schramme-Haack konnte über 80 Delegierte und Gäste begrüßen. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt und Verdens Kreisrätin Regina Tryta führten mit ihren Grußworten in das Thema ein.
Über die gesundheitlichen Risiken für psychosoziale Belastungen im Lebenslauf von Mädchen und Frauen referierte Prof. Dr. Frauke Koppelin von der Jade Hochschule. Es beginne bereits vor der Geburt: Mit der Technisierung von Schwangerschaft und Geburt seien inzwischen 70 Prozent aller Schwangerschaften Risikoschwangerschaften. Ausschlaggebend aber, so Koppelin, seien die sozialen Unterschiede: Armut – materiell und auch bildungsmäßig – sei der wesentliche Faktor für Krankheit und damit auch für psychosoziale Belastungen. Ungeschützte Arbeitsverhältnisse, Teilzeit- und Minijobs, geringe Entlohnung, die alleinige Zuständigkeit für Kinder und Familie, gerade auch bei Alleinerziehenden, sowie die dadurch bedingten Mini-Renten führten zu erhöhten psychosozialen Belastungen. Koppelin forderte Weichenstellungen für eine geschlechter- und zielgruppengerechten Gesundheitsversorgung. Unabhängige und wissenschaftlich fundierte Informationen und Programme zur Armutsbekämpfung seien dafür wichtige Voraussetzungen.
Sonja Nielbock von der Sujet Organisationsberatung, Hamburg, stellte anschließend die Ergebnisse einer Untersuchung zu psychischer Belastung (Gender Stress) bei der Arbeit vor und untermauerte mit konkreten Beispielen die Aussagen der Vorreferentin. Rollenbilder und Stereotype, Zuschreibungen und Bewertungen in unseren Köpfen würden, so Nielbock, einen wesentlichen Faktor beim Umgang mit Belastungen und Gesundheit ausmachen. Frauen würden immer noch als Dazu-Verdienerinnen und ihre Erwerbsarbeit als Abwechslung im Alltag angesehen. Das führe zur Abwertung von Frauen beziehungsweise zu der erhöhten Anforderung, das Gegenteil beweisen zu müssen. Kompetenzen würden weiter geschlechtsspezifisch bewertet: Führungskompetenz, Fachkompetenz und Durchsetzungsfähigkeit gelten als männlich, Freundlichkeit, Mode und Softwarebedienung als weiblich. Die vermeintlich „männlichen“ Kompetenzen seien in der Regel höher bewertet und würden als größere Anforderung angesehen. Das mache sich auch in der ungleichen Bezahlung, Wertschätzung und geringeren Aufstiegsmöglichkeiten deutlich bemerkbar – allesamt Stressfaktoren, die zu psychosozialen Belastungen führten, betonte Nielbock.

Hannover, 4. November 2013