"Mich gibt es nur mit Hockey oder gar nicht!"

Geschickt zirkelt sie den kleinen Ball um die farbigen Plastik-Hütchen, balanciert ihn auf dem Schläger. „Sobald der Ball da ist...“, fängt Brigitte Just den Satz an – vergisst sie den Rest um sich herum. Zum Hockey kam sie mit sechs Jahren. In ihrer Laufbahn hat sie auf allen Positionen gespielt, „außer im Tor“. Seit 1997 ist sie bei Hannover 78. Ein Verein, der „Ziele und konkrete Vorstellungen“ habe – genau wie sie. Brigitte Just bezeichnet sich selbst zwar grundsätzlich als eher zurückhaltend. Sie habe aber ein Konzept und wisse, wo sie hin wolle, so die zweifache Mutter. Das macht sie nicht nur auf dem Platz zur „offensiven Spielerin“.

Sportvereine sind auf ehrenamtliche Tätigkeit angewiesen. Brigitte Just hat diese „gesamtgesellschaftliche Verantwortung“ schon immer wahrgenommen. Intensiviert habe sich das Engagement aber, als klar war, dass ihr Hockey-Fieber vererbt wurde: Eine der beiden Töchter spielt ebenfalls. Die Arbeitsstunden für den Hockeysport seien noch einmal in die Höhe geschnellt, was neben der Familie und dem Vollzeitjob nur machbar war, weil Brigitte Just auch mit Zeit und Aufgaben jonglieren kann.
Es blieb nicht allein bei Chauffeur-Diensten und beim Anfeuern bei Turnieren. Brigitte Just hat elf Jahre lang die C-Mädchen trainiert. Beim Niedersächsischen Hockeyverband (NHV) kam dann das Engagement auf Verbandsebene dazu, erst als Mädchenwartin, später als Vorstand Jugend. Als einzige Frau im Vorstand und Vorsitzende des Jugendausschusses des NHV koordiniert sie den Spielbetrieb, vertieft die Kontakte zum Landessportbund, zur Sportjugend Niedersachsen, sowie zum Deutschen Hockeybund, treibt den internationalen Austausch voran, informiert Vereine, wie Hockey-AG’s an Schulen oder andere Projekte realisiert werden können und überreicht den jungen Spielerinnen und Spielern bei Siegerehrungen Wimpel oder Pokale. Ja, noch bleibe sie als Vorstand Jugend beim NHV, lacht Brigitte Just – im Januar 2013 wurde sie für eine weitere 2-jährige Amtszeit gewählt.

Brigitte Just ist zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Hannover. Diese hauptberufliche Tätigkeit überträgt sich auch ins Ehrenamt: Die Gleichstellung im Sport ist der 51-Jährigen ein besonderes Anliegen. So leitete sie unter anderem ein Projekt, das die Mitgliedergewinnung unter Gender-Aspekten zum Ziel hatte. „Bei den Trainerinnen und Trainern sieht es schon ganz gut aus“, zeigt sich Brigitte Just zufrieden, aber nach wie vor gebe es kaum Frauen in Vereinsvorständen – und das nicht nur im Hockeysport.

Der Wind bläst kalt an diesem Mittwochabend. Trotzdem kommen immer mehr Spielerinnen und Spieler auf dem Kunstrasenplatz zusammen. Training für die Eltern-Hockey-Mannschaft, für die Brigitte Just auch organisatorische Aufgaben wahrnimmt. Dasselbe gilt für die Seniorinnen-Frauschaft, die sie mit aufgebaut hat. An die Bande gelehnt beobachtet die Frau mit der Rückennummer 7 das Treiben auf dem Platz. Plötzlich muss sie schmunzeln. Sie freut sich, dass sie in diesem Jahr mit der Niedersächsischen Sportmedaille ausgezeichnet wird: „Für mein langjähriges ehrenamtliches Engagement im Sport. Das macht mich stolz und spornt mich weiter an.“

Was mich bewegt:
„Es macht mir total Spaß, etwas mitzugestalten und positiv zu verändern. Ich habe durch den Sport auch viel zurückbekommen: Andere Länder kennengelernt, soziale Kontakte geknüpft. Jetzt kann ich das weitergeben und damit die Gesellschaft ein Stück mit weiterentwickeln.“

Ehrenamt:
Vorstand Jugend beim Niedersächsischen Hockeyverband / Mitarbeit im Gleichstellungsausschuss des Landessportbundes / Diverse Tätigkeiten für den Verein Hannover 78

Porträt Brigitte Just als Download

Text und Audiobeitrag: Andrea Schwyzer

Fotos: Erika Ehlerding