"Existenzgründung für Künstlerinnen ist schwierig - dabei helfen wir."

Egal ob Glasscherben, Schlüssel, Dia-Schlitten, rostige Nägel oder Lockenwickler: „Ich sage meinen Freundinnen immer: Fragt mich bevor ihr so was wegschmeißt, vielleicht kann ich es noch brauchen!“ Wozu? – Das wisse sie jeweils noch nicht, aber die Idee komme immer „und dann werden aus solchen Gegenständen meine Installationen.“ Kunstwerke von Heralde Schmitt-Ulms.

Sie habe früh geheiratet, früh Kinder gehabt. „Wir feiern dieses Jahr goldene Hochzeit.“ Ihr Mann habe sie immer unterstützt, ihr Freiheiten gelassen. Und dass Heralde Schmitt-Ulms freiheitsliebend ist, glaubt man ihr sofort. In den Beruf zurück konnte sie nicht mit fünf Kindern. Außerdem waren ständig Pflegekinder zu Gast – „eine hauseigene Kita“. Zusätzlich betreute die Familienfrau ihre kranken Tanten und die Mutter, hat an der Volkshochschule Kunstkurse angeboten und war fast 20 Jahre lang im Vorstand des Deutschen Familienverbands.

Die ehrenamtliche Arbeit bestimmt auch heute noch ihr Leben: „48 Stunden pro Woche reichen oft nicht aus“, sagt die erste Vorsitzende der GEDOK NiedersachsenHannover. Eigentlich ist sie bereits im Ruhestandsalter. „Aber es gibt keinen Ruhestand, nur einen Unruhestand!“ Heralde Schmitt-Ulms lacht. Es ist ein verschmitztes, mädchenhaftes Lachen.

1978 wurde die „Allrounderin“ in die GEDOK aufgenommen, den ältesten Künstlerinnenverband Europas. Heralde Schmitt-Ulms hat leidenschaftlich mit Mischverhältnissen von Farben experimentiert und so einen eigenen Batik-Stil entwickelt. Ihre ersten Bild-Kunstwerke verkauften sich im Nu: „Das fand ich natürlich toll!“ Wenig später wurde die Hannoveranerin Fachgruppenleiterin für Angewandte Kunst, dann in den erweiterten Vorstand berufen. Heute leitet sie nicht nur die GEDOK NiedersachsenHannover, sondern ist seit fünf Jahren auch als Vertreterin der Präsidentin im Bundes-Vorstand.

 

„Die GEDOK wird noch gebraucht!“ Heralde Schmitt-Ulms macht die Erfahrung, dass Männer in vielen künstlerischen Bereichen immer noch bevorzugt werden. „Keine unserer Künstlerinnen kann nur von der Kunst leben.“ Sei das, weil sie sich nicht so gut vermarkten können wie ein Mann oder weil sie wegen der Gründung einer Familie für einige Jahre ausfallen. „Wenn Frauen keinen Mäzen finden, der für sie vorprescht, haben sie es oft schwer.“ In der GEDOK profitieren die Künstlerinnen von der interdisziplinären Zusammenarbeit. Sämtliche Kunstsparten sind hier vertreten „und das ist das Schöne!“

Um erfolgreich Ausstellungen und Kunstprojekte zu realisieren, ist die Mitarbeit der ganzen Gemeinschaft gefordert. Anders kann die To-do-Liste nicht bewerkstelligt werden: Konzept und Organisation besprechen, Rahmenprogramm gestalten, Einladungen schreiben, Aufsichtspflichten erfüllen... Bei allen Aufgaben ist Heralde Schmitt-Ulms federführend oder zumindest involviert. Oft bleibt da die eigene Kunst auf der Strecke. „Ich selbst gehe dann jeweils mit vielen Gedanken schwanger, aber am Ende kann ich nur noch das umsetzen, was verhältnismäßig schnell geht.“ Für große Projekte fehle schlicht und einfach die Zeit.

Dennoch: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich’s mit Lust und Liebe, sonst kann ich es gleich ganz lassen!“, sagt die 10-fache Großmutter mit Nachdruck und dem typischen Funkeln in den Augen. Es komme von den Künstlerinnen ja auch viel Liebe zurück.

Was mich bewegt:
„Ich habe immer nur ehrenamtlich gearbeitet. Obwohl ich sehr gerne in den Beruf zurückgegangen wäre, habe ich dem nie nachgetrauert. Man soll nicht verzweifeln, wenn das nicht geht. Dagegen habe ich alles, was aktuell war, mit Begeisterung getan.“

Ehrenamt:
1. Vorsitzende GEDOK NiedersachsenHannover / Vorstand Bundes-GEDOK

Porträt Heralde Schmitt-Ulms

Text und Audiobeitrag: Andrea Schwyzer

Fotos: Erika Ehlerding