"Die Wege für Migrantinnen sind oft schwierig, langatmig und manchmal schmerzhaft."

Sie kam mit 11 Jahren nach Deutschland und eigentlich wollte sie gar nicht bleiben: „Ich dachte: Dann lerne ich halt schnell einen Beruf, gehe zurück in die Türkei und mache mich selbständig.“ Naciye Celebi-Bektas ist geblieben.

Ihre Mutter hat sie Kurdisch gelehrt, obwohl das Sprechen der Sprache in der Türkei verboten war. In Hamburg ergab sich für Naciye Celebi-Bektas dann die Möglichkeit, sich in einem kurdischen Verein mit Landsleuten auszutauschen – ohne Versteckspiel.

„Erst habe ich nur mitgemacht“, sagt die 47-Jährige. Doch bereits nach kurzer Zeit hieß es: „Du kannst doch so gut Deutsch, bist flexibel! Mach doch bitte...!“ Ihre Reaktion: „Ich kann und will das nicht!“ Naciye Celebi-Bektas spricht oft auch mit ihren schlanken Händen, die Gesten haben etwas Jugendliches. In jungen Jahren sei sie sehr schüchtern gewesen, „aber ich wurde ermutigt.“

Plötzlich fand sich Naciye Celebi-Bektas in Arbeitsgruppen wieder, fungierte als Leiterin, übersetzte Texte. Heute gibt sie Seminare und hält Vorträge. „Zuerst war ich auf meine ethnische Gruppe fokussiert. Das hat sich dann aber gewandelt.“ Irgendwann fing sie an, sich mit der Rolle der Frau auseinanderzusetzen. Wenig verwunderlich, dass Naciye Celebi-Bektas Mitbegründerin einer kurdischen Frauengruppe ist.

 

Eine politisch engagierte Friseurin? „Ich habe mich ehrenamtlich in diesem kulturell-politischen Rahmen bewegt, aber gemerkt, dass meine Gedanken und Forderungen nicht richtig ernst genommen werden.“ Also schrieb sich Naciye Celebi-Bektas an der Uni ein. „Ich wollte beweisen, dass ich das kann!“ Gegen Vorverurteilungen ist sie allergisch. „Das kritisiere ich auch in der Migrationsdebatte.“

„Es müssen nicht alle den mühsamen Weg gehen, den ich und mein Mann gegangen sind.“ – Deshalb engagiert sich Naciye Celebi-Bektas seit rund 30 Jahren an so vielen Stellen gleichzeitig, dass sie diese gar nicht alle aufzählen kann. Weiterkommen habe mit der eigenen Person zu tun, „aber auch mit den Chancen, die geboten werden.“ Wer Fragen zu beruflichen Perspektiven, zum Schulsystem oder der Sprache hat, kann auf die Hilfsbereitschaft der Netzwerkerin zählen. Sie wirkt vertrauens- und liebenswürdig. „Wenn ich jemanden kennenlerne, versuche ich sogleich die richtigen Menschen miteinander zu vernetzen.“ Immer im Kontext von Zuwanderung, Integration, Akzeptanz, Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit. „Mein Netzwerk ist mein Reichtum.“ Naciye Celebi-Bektas’ Blick ist dabei schon lange auch auf die Mehrheitsgesellschaft gerichtet.

Dennoch kommt sich die Brückenbauerin in deutschen Organisationen oft einsam vor. „Eine Durchmischung von Migrantinnen und Deutschen findet in vielen Bereichen leider kaum statt“, beklagt die „Vorzeigemigrantin“. Eine Rolle, die Naciye Celebi-Bektas manchmal übergestülpt wird.

Migrantinnen haben viel zum kulturellen Leben beigetragen – auch wenn das von Kritikern als Leben in einer Parallelwelt ausgelegt werde. „Wie kann man diese Vielfalt nur so negativ sehen?!“ Salsa ist „in“, kurdische Musik „out“? Eine engstirnige Betrachtungsweise, findet die passionierte Tänzerin. Die Mischung mache es aus, sagt Naciye Celebi-Bektas und fragt keck: „Wieso auf den langersehnten Urlaub in einem anderen Kulturkreis warten? Es ist doch alles da!“

Was mich bewegt:
„Wo kann ich beruflich hinkommen? Wer gibt mir eine Chance? Das kann man im Ehrenamt viel einfacher erfahren. Im Endeffekt musste ich mich dadurch auch fast nie bewerben – ungewollt. Mein Weg der Erkenntnis ist über die ehrenamtliche Tätigkeit gegangen.“

Ehrenamt:
Vorstand Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. / Gründungsmitglied S.A.Z. Kinderhilfswerk e.V.

Porträt Naciye Celebi-Bektas als Download

Text und Audiobeitrag: Andrea Schwyzer

Fotos: Erika Ehlerding