Der Glaube kann auch heute noch motivieren, Trost und Hoffnung spenden."

Walburga Nürenberg hat schon immer mit neugierigem, offenem Blick die Welt um sich herum betrachtet und – wo nötig – geholfen. Obwohl es ihr mit drei Kindern bestimmt nicht langweilig war. „Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, meine Kinder selbst zu erziehen. Ein Leben als Familien-Frau.“ Eine große Grundzufriedenheit geht von der studierten Lehrerin für Englisch und Katholische Religion aus. An eine Teilzeitstelle neben der Tätigkeit als Hausfrau war in den 80er-Jahren nicht zu denken: Die spärlichen Stellen, die es gab, kamen aufgrund von langen Arbeitswegen nicht in Frage. „Durch meine pädagogische Ausbildung hatte ich aber großes Interesse daran, mich in diesem Bereich zu engagieren.“

Walburga Nürenberg war Vorsitzende des Elternbeirats im Kindergarten in Meppen, Mitglied im Schulvorstand, Elternvertreterin. Außerdem leitete sie in der Gemeinde die Kinderkirche, war mehr als zehn Jahre lang im Kirchenvorstand tätig und hat in derselben Zeitspanne auch als geistliche Begleiterin die Arbeit der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland unterstützt. So viel Tatkraft! – Kein Wunder, dass der Sozialdienst katholischer Frauen Meppen sie abwerben wollte. Mit Erfolg...

„Vielfältig und bereichernd“, beschreibt die frisch gekürte 1. Vorsitzende ihre Arbeit beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) – ein Verein, dessen Arbeit vom Zusammenwirken von Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen lebt. Walburga Nürenberg ergänzt: „Selten habe ich so viel gelernt, wie in den letzten drei Jahren Vorstandsarbeit – besonders durch SkF-interne Fortbildungsmodule.“ Den Haushalt erstellen, Personalgespräche führen, Reden und Sponsorenbriefe verfassen, das Anliegen des SkF in die Öffentlichkeit tragen oder in den Fachbereichen die Mitarbeiterinnen unterstützen. Walburga Nürenberg erinnert sich besonders gern an eine Kunstaktion im Frauen- und Kinderschutzhaus: „Zu sehen, mit welch einfachen Mitteln – nämlich Farbe – die Frauen ihre eigene Geschichte für einen Moment vergessen konnten, zu sehen, wie froh und stolz sie waren, das war unglaublich!“ Walburga Nürenberg scheint einen Blick für die kleinen, oft nicht beachteten Dinge im Leben zu haben – und die Kunst, sich an ihnen zu freuen.

„Wir beraten jeden!“, gebührenfrei und unabhängig von Konfession und Nationalität. Rund 1000 Klientinnen und Klienten holen sich jährlich beim SkF in Meppen Rat und Hilfe – bei Fragen zu Schwangerschaft und Pränataldiagnostik, häuslicher Gewalt, Erziehung und im Bereich der gesetzlichen Betreuung von behinderten, psychisch kranken oder alten Menschen. Auch wenn die Kirche im allgemeinen Leben womöglich abgelehnt werde, zeige sich bei einem solchen Frauenfachverband der katholischen Kirche, „dass wir durch unser Tun einiges voranbringen und verbessern“. Walburga Nürenberg beobachtet auch, dass bei einigen Leuten die Rückbesinnung zum Glauben Trost spendet.

Energie und Motivation für das Ehrenamt schöpfe sie aus der Familie, betont die leidenschaftliche Mutter. Zwei ihrer drei Kinder wohnen nicht mehr zu Hause, aber immer wenn die Familie zusammen sitze und sie von der Arbeit erzähle, seien sich alle einig: „Mama, du brennst dafür – das ist genau das Richtige für dich!“ Und so schließt sich der Kreis, wenn die 53-Jährige hinzufügt: „Der SkF ist mittlerweile auch eins meiner Kinder.“

Was mich bewegt:
„Die Vielfalt des Lebens! Zu erleben, es ist nicht alles heile Welt – es gibt Situationen, die man als Mensch nicht selbst in der Hand hat, sondern die sich aus verschiedenen Lebensumständen ergeben. Das kann hart sein. Sich damit auseinanderzusetzen, ist bereichernd.“

Ehrenamt:
1. Vorsitzende beim Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Meppen-Emsland Mitte / Mitglied im SkF Diözesanvorstand / 2. Vorsitzende der Gesellschafterversammlung "SoKa“-Soziales Kaufhaus Meppen GmbH

Porträt Walburga Nürenberg als Download

Text und Audiobeitrag: Andrea Schwyzer

Fotos: Erika Ehlerding