Beharrliches Fragen für Frauen in Führung

Mitte Mai 2019: 59. ordentliche Hauptversammlung des VW-Konzerns. Dieselskandal, Elektroautos, Digitalisierung – und unbequeme Fragen zu den Zielquoten für den Frauenanteil in Führungspositionen. Die Erhöhung des Frauenanteils auf allen Ebenen sei ein wichtiger Schritt zu mehr Vielfalt für die Belegschaft und trage zum zukunftsorientieren Wandel der Unternehmenskultur bei, lautet eine Antwort. Eine andere: In der Produktentwicklung seien Ingenieurinnen in Führungspositionen vertreten, diese Frauen hätten gute Chancen, ins Management befördert zu werden.

So die Theorie, denn die Erfahrung ist eine andere. Eine Insiderin erzählt: „Gerade im technischen Bereich ist für Frauen ein Aufstieg ins Management kaum möglich und das obwohl durchaus bis zu 20 Prozent Ingenieurinnen in den technischen Abteilungen arbeiten. Das überwiegend männlich-konservative Management hat eine Schere im Kopf, dass Frau und Ingenieur nicht geht und verhält sich entsprechend. Wir brauchen dringend einen Kulturwandel in solchen Unternehmen wie VW. Und wir brauchen gemischte Führungsteams in der Technik, denn sie können anstehende Probleme besser lösen und Krisen besser bewältigen.“

„Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ heißt das Projekt, das der Deutsche Juristinnenbund (djb) 2009 ins Leben gerufen hat. Seitdem haben Mitfrauen auch von kooperierenden Organisationen – Deutscher Ingenieurinnenbund (dib), Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) – an 500 Hauptversammlungen von börsennotierten Unternehmen teilgenommen. Ihr Ziel: Zahlen zusammentragen, Transparenz schaffen, öffentlichen Druck für mehr Frauen in Aufsichtsräten und mehr Frauen in Führung erzeugen. Dieses beharrliche Engagement hat entscheidend die gesetzlichen Regelungen zur Frauenförderung in der Wirtschaft und die 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte mit vorbereitet. Diese Quote ist inzwischen weitgehend erreicht, während die Vorstände männerdominiert bleiben. Der LFRN fordert deshalb in einer Resolution vom März 2019 die paritätische Besetzung von Frauen und Männern in Führungsfunktionen in der Wirtschaft, der Verwaltung und anderen Bereichen. Bereits im April 2018 forderte er eine wesentliche Erhöhung des Anteils von Ingenieurinnen in Führungspositionen.

 

Links:

https://www.djb.de/themen/thema/hv-projekt/

https://www.fidar.de/

https://www.diw.de/de/diw_01.c.435947.de/presse/diw_glossar/managerinnen_barometer.html

Link zur LFRN-Resolution „Weibliche Führung“