Vielfalt im Sport: Alles gut?

Warum heißt es „Frauenfußball“? Und warum dürfen Männer nicht an Wettbewerben im Synchronschwimmen teilnehmen? Sind queere Sportvereine wie der SLS Leinebagger Hannover wirklich nötig? Und fördert der Harry-Potter-Sport Quidditsch tatsächlich die Geschlechtervielfalt? Vier spannende Fragen, die das Selbstverständnis des Sports als traditionelles System berühren, in dem es um Körpernormen und Klassifizierung geht. Frau oder Mann, mit oder ohne Handicap und dazwischen gibt es nichts. Oder etwa doch?

 

Die Option für ein drittes Geschlecht „divers“ im Geburtenregister ist eine Herausforderung für alle Sportler*innen und Funktionär*innen. Die aktuelle Diskussion über Vielfalt im Sport ist aber mehr als die Frage der Anzahl geschlechtlicher Kategorien. Stereotype Vorstellungen und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sind zu thematisieren. Körpernormierungen sollten wir nicht länger problematisieren oder gar pathologisieren. Im Kern geht es vor allem um Teilhabe für alle! So lauten Empfehlungen nach einem ersten Akademiegespräch des Landessportbundes (LSB) und der Akademie des Sports zum Thema „Geschlechtervielfalt: Chancen und Risiken für den Sport“.

 

Ganz konkret wird das Problem, wenn ein Transmann fragt: Wo kann ich mein Sportabzeichen machen? Oder: Wie ist das mit dem Duschen bei Euch? „Gefühlt handelt es sich nur um Einzelfälle, die individuelle Lösungen einfordern. Trotzdem müssen wir Antworten parat haben“, betont Ela Windels, die die Referentin für Gleichstellung im LSB und Delegierte beim LFRN ist. „Wir müssen die sprachliche Sensibilität schärfen und über korrekte Ansprache diskutieren, ebenso wie über die Anzahl von Duschräumen in den Sportanlagen“, erläutert sie. Das Thema soll weder belächelt noch ausgeklammert werden nach dem Motto „Wir haben hier andere Sorgen“. Ela Windels: „Wir wollen bei den Verantwortlichen die Perspektive erweitern. Ziel ist, dass der Sport ebenso wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche die Scheu verliert, diese Probleme zu benennen und zu diskutieren. Dazu muss ein Umdenken in unseren Köpfen stattfinden.“

 

Auch der LFRN hat die Zeichen der Zeit erkannt und veranstaltet am 26. Oktober 2019 die Fachtagung „Geschlechtervielfalt“. Die in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung stattfindende Veranstaltung geht der Frage nach, wie sich die Vielfalt der Geschlechter im Alltag, aber auch in der Gleichstellungspolitik bemerkbar macht. Der LFRN-Mitgliedsverband Lesbisch in Niedersachsen (LiN) hat die Tagung fachlich mit vorbereitet.

 

 

Links zu den genannten Organisationen:

https://www.akademie.lsb-niedersachsen.de/akademie-programm/akademie-gespraeche/geschlechtervielfalt/

https://www.lsb-niedersachsen.de/lsb-themen/grundsatzfragen/lsb-gleichstellung/?L=0

https://q-nn.de/lin-lesbisch-in-niedersachsen/

www.leinebagger.de

 

Foto: Pixabay