Antifeminismus
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Antifeminismus
Antifeminismus ist eine Ideologie und eine politische Strategie, die sich pauschal, aktiv und meist auch organisiert gegen feministische Anliegen und Positionen richtet. Antifeministische Tendenzen gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt, bedrohen hart erkämpfte Frauenrechte und fördern einen Anstieg geschlechtsbezogener Gewalt.
Unsere demokratische und tolerante Gesellschaft gerät gegenwärtig zunehmend unter Druck. Gleichstellungspolitik und Frauenrechte stehen verstärkt im Fokus antifeministischer und politisch rechter Angriffe – sie werden ideologisiert, verunglimpft und delegitimiert.
Antifeminismus ist kein neues Phänomen. Schon 1902 teilt die radikale Feministin Hedwig Dohm in ihrem Buch „Die Antifeministen“ die Gegner der Frauenbewegung und Frauenemanzipation in vier Kategorien ein: sie unterscheidet in „Altgläubige“ (so war es schon immer, so soll es auch bleiben), „Herrenrechtler“ (Sicherung der Vormachtstellung und Dominanz der Männer), „praktische Egoisten“ (Arbeitsteilung und Verantwortung im Alltag) und „Ritter der Mater dolorosa“(Frauen als Heilige oder Hure wird ein bestimmter Platz zugewiesen, der keine Eigenbewegung erlaubt).
Hedwig Dohm weist außerdem auf die Macht der ständig wiederholten Behauptung hin, die sich im Bewusstsein festsetzt.
Definition Antifeminismus (nach Lang/ Fritzsche 2018):
Antifeminismus ist eine auf konkrete historische Prozesse der Emanzipation reagierende weltanschauliche Bewegung, der es um die Gegnerschaft zu Prozessen der gesellschaftspolitischen Liberalisierung und Entnormierung von Geschlechterverhältnissen geht sowie um die Aufrechterhaltung hetero-normativer Herrschaftsverhältnisse.
Dr. Juliane Lang spricht vom Antifeminismus als einem Phänomen mit gesellschaftsspaltendem Potential. Dabei ist der Antifeminismus längst kein gesellschaftliches Randphänomen mehr. Antifeministische Haltungen wirken als sog. „Brückenideologien“ zunehmend in die Mitte der Gesellschaft hinein.
Unter dem Begriff Antifeminismus werden unterschiedliche Akteursgruppen und Denkrichtungen zusammengefasst. Allen gemeinsam ist die aktive Ablehnung der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Vielfalt sexueller, geschlechtlicher und familialer Lebensweisen.
Es gibt verschiedene Ausprägungen von konservativ-religiösem Festhalten an traditionellen Rollenbildern bis hin zu maskulinistischen Ansichten, die eine angebliche Benachteiligung von Männern beklagen.
Rechtspopulistischer und rechtsextremer Antifeminismus wendet sich gegen sexuelle Vielfalt und geschlechtergerechte Sprache. Journalistische Gendergegner*innen plädieren für das generische Maskulinum. Digitale Misogynie (Frauenhass) zeigt sich besonders in sozialen Medien oder Online-Foren (wie bei Teilen der Manosphere). Sie reicht von alltäglichem Sexismus und digitaler Gewalt bis hin zu offenen Hasskampagnen, die das Ziel haben, Frauen aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.
In den sozialen Medien zelebrieren Tradwives (traditionelle Ehefrauen) ein besonders konservatives Rollenbild der Frau als liebevolle Mutter und fürsorgende Hausfrau. Finanzielle Unterordnung und fehlende Altersvorsorge für die Frauen werden völlig ausgeklammert. Vorgetäuschter luxuriöser Wohlstand hat wenig mit der tatsächlichen, oft anstrengenden Care-Arbeit der Frauen zu tun.
Im November 2025 veranstaltete der Landesfrauenrat gemeinsam mit dem DGB Niedersachsen und ver.di Niedersachsen-Bremen das Fachforum „Demokratie braucht Feminismus – Strategien gegen Antifeminismus. Ziel war es, Ursachen und Erscheinungsformen von Antifeminismus zu beleuchten und Handlungsstrategien zu entwickeln.
Um deutlich zu machen, dass Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung demokratische Grundwerte sind, die nicht zur Disposition stehen, hat die Delegiertenversammlung des Landesfrauenrates am 08. November 2026 die Resolution „Demokratie braucht Feminismus! – Antifeminismus entgegentreten“ verabschiedet.
Der Deutsche Frauenrat bietet mit seiner Handreichung „Klare Kante gegen Antifeminismus“ Unterstützung mit praxisnahen Argumentationshilfen gegen antifeministische Narrative, mit konkreten Tipps für Diskussionen im Alltag und mit Empfehlungen zur Vertiefung und Vernetzung.
Die Broschüre „Gegenwind oder doch schon ein Sturm?“ Antifeminismus in der Gleichstellungsarbeit, hrsg. von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros & Gleichstellungsstellen, zeigt auf, dass sich der gesellschaftliche Gegenwind inzwischen zu einem strukturellen Sturm demokratiefeindlicher Einschüchterungen und Aktionen entwickelt hat, da eine drastische Zunahme antifeministischer Angriffe auf die kommunale Gleichstellungsarbeit in Deutschland zu verzeichnen ist.